Neues Buch: "Schulsteuerung in der Gemeinde. Wie politische Kommissionen Schule führen"

Aufsicht und Führung von Schulleitungen

Aufsicht

Seit der Einführung von Schulleitungen in den Berner Schulen scheint die Frage der Aufsicht sehr viel Konfliktpotenzial zu generieren. Es wurde eine Funktion geschaffen, die eigentlich die Schule selber professionell führen könnte, aber zugleich wurde ihr eine politische Behörde vorgesetzt, die sie beaufsichtigen soll. Viele Schulleiter_innen haben Mühe mit dieser Aufsicht durch politische Milizbehörden, weil sie denken, dass ihre Arbeit nur von Profis wie sie selbst überwacht werden kann. Ich versuche im Folgenden, eine einfach verständliche Handhabe zu geben, weil ich erfahren habe, dass dies viel mehr wirkt, als wenn mit Fachbegriffen hantiert wird.

Die Schulleitungen müssen die Vorgaben des Kantons und der Gemeinde (strategisch-politische Vorgaben) "umsetzen". Bei jeder Umsetzung einer Regel/eines Ziels in konkrete Handlungen gibt es Spielraum. Und diesen sollte man der Schulleitung auch gewähren, solange sie "es gut macht".

Nun braucht es aber eine Instanz, die beurteilt, ob sie "es gut macht". Bei der Schule geht es ja nicht nur um technische Dinge, die ein Profi einfach "richtig" und "fachgerecht" ausführen kann. Vielmehr stehen weltanschauliche, soziale, kulturelle Prozesse im Zentrum der Schule. Dabei gibt es oft kein einfaches "richtig/falsch". Für umstrittene Themen, also solche, bei denen es nicht eine technische Lösung gibt, sondern bei denen unterschiedliche Ansichten herrschen, haben wir die politischen Instrumente.

Sehr einfach definiert: Politisch sind alle Themen, bei denen nicht alle einfach der gleichen Meinung sind, bei denen eine Abstimmung vielleicht in die Richtung von 50/50 geht. In all diesen Themen muss die Politik letztendlich mit gemeinsam definierten Verfahren entscheiden. Wenn also beispielsweise zu erwarten ist, dass ein Teil der Eltern Frühstunden für Jugendliche ablehnt, ein anderer Teil sie aber befürwortet, braucht es ein politisch legitimiertes Verfahren, um zu einem Beschluss zu kommen. Für die kommunalen Zuständigkeiten haben wir dafür die gewählte Schulkommission.

Die politische Aufsicht über die Schule geht also relativ weit. Die Aufsichtsbehörde entscheidet, welche Bereiche sie ansehen will. Hier scheint mir das berndeutsche Wort "häreluege" sehr passend. Es braucht eine Instanz, die überall dort "häreluegt", wo sie die Intuition hat, dass etwas läuft, was politisch verhandelt und legitimiert werden müsste. Was darunter fällt, muss von Fall zu Fall diskutiert und entschieden werden. Für mich ist die Richtschnur des "Politischen" sehr gut handhabbar: Diskutieren Sie einfach, ob die gut informierten Bürgerinnen und Bürger bei diesem Thema unterschiedlicher Meinung wären. Ob die gesetzten Ziele in ihrem Sinn umgesetzt wurden. Das ist die politische Ebene. Die Schulleitung soll zu überzeugen versuchen und argumentieren: Das macht man heute so, das machen alle Schulen so, das basiert auf der Forschung, das sind die fachlichen Gründe, das ist "State-of-the-Art" wie man Schule organisiert.

Aufsichts-Aktivitäten einer Schulkommission:

  • Berichte/Zahlen verlangen (mündlich/schriftlich)
  • Nachfragen, Auskunft verlangen
  • Im Idealfall gemeinsam definieren, welche Auskünfte/Zahlen regelmässig abgegeben werden. Das gibt am wenigsten Friktionen.
  • Wenn gute strategische Ziele und eine gemeinsam geteilte Operationalisierung z. B. in Form von Leistungsvereinbarungen oder ähnlichem vorliegt, kann die Aufsicht auch in einer Art Controlling vorgenommen werden. Man beurteilt dann regelmässig die Umsetzung der Ziele und ergreift allenfalls Massnahmen.

Aufsicht ist die Kehrseite von Verantwortung. Die Schulkommission muss so viele Informationen über die Schule haben, und sie muss die Schule soweit prägen können, dass sie die Verantwortung dafür übernehmen kann, was in der Schule passiert. Das ist in jeder Hierarchie so. Eine Liste der Themen, bei denen die Schulkommission die Schulleitung beaufsichtigen muss, gibt es nicht. Das wäre auch irreführend. Praktisch jede Tätigkeit in der Schule hat einen politischen Anteil.

Führung

Führungsinstrumente

Auffallend ist hier insbesondere, dass neben den MAGs keine weiteren Führungsinstrumente explizit geregelt sind. Schulkommissionen sind in der Führung ihrer Schulleitungen also weitgehend auf sich gestellt und müssen situativ und kreativ Informationen beschaffen und Führungsentscheide fällen. Denn MAGs alleine reichen für eine den Ansprüchen entsprechende Führung oder Aufsicht nicht aus.

Führungsmodelle

Aus dem Blickwinkel grosser Gemeinden (z. B. Stadt Bern) fällt zudem auf, dass die gesetzlichen und reglementarischen Vorgaben sich meist nur auf kleinere Gemeinden eins zu eins übertragen lassen. Gerade die vorgeschlagenen Führungsmodelle für die Schulleitung lassen sich auf die städtischen Verhältnisse, wie sie sich heute präsentieren, nicht anwenden. Umgekehrt könnte man argumentieren, dass die schulische Steuerungsstruktur in der Stadt Bern den Schritt hin zu einer verstärkten Einordnung der Schulleitungen in die Strukturen der Gemeindeverwaltung (wie dies REVOS 08 eigentlich vorsieht) halt auch noch nicht gemacht hat. In der Stadt sind die Schulkommissionen bis heute alleine für die Führung der Schulleitungen zuständig.

Links

Eine Zusammenstellung aktueller gesetzlicher Bestimmungen zum Thema Führung/Aufsicht der Schulleitungen im Kanton Bern: Bestimmungen-AufsichtSchulleitung.pdf

Informationsseite der Erziehungsdirektion des Kantons Bern mit Links zu den entsprechenden Erlassen: http://www.erz.be.ch/erz/de/index/kindergarten_volksschule/kindergarten_volksschule/schulkommissionenundgemeinden/schulkommissionen/dokumente.html