Neues Buch: "Schulsteuerung in der Gemeinde. Wie politische Kommissionen Schule führen"

Was ist das "Churermodell"?

Der folgende Text erschien im "roten Büchlein" des Schulkreises Breitenrain-Lorraine 2017/2018.

Schon seit vielen Jahren stellen sich Lehrerinnen und Lehrer immer mehr auf die Tatsache ein, dass eine Klasse aus unterschiedlichen Kindern besteht. Jedes Kind hat einen anderen Hintergrund und benötigt eine andere Förderung. Der Unterricht wird deshalb immer stärker individualisiert, damit er jedem Kind als Individuum mit eigenen Bedürfnissen möglichst gerecht werden kann. Das ist für jede Lehrperson eine grosse Herausforderung. Um mehr Raum für diese individuelle Förderung zu schaffen, beginnen heute Lehrpersonen und teilweise ganze Schulen, die Strukturen des Unterrichts zu verändern.

Daraus entstehen konkrete Konzepte, die von vielen Schulen und Lehrkräften aufgenommen werden. Ein solches Konzept ist aktuell das "Churermodell". Ausgehend von einer Schule in Chur (Hauptstadt des Kantons Graubünden) verbreitet sich diese Unterrichtsform heute schnell in der ganzen Schweiz, weil sie Schulen und Lehrpersonen eine gut anwendbare Grundlage für individualisierten Unterricht bietet. Auch in Bern stellen immer mehr Lehrpersonen und Schulen auf diese und ähnliche Formen des Unterrichts um, so auch die Schulen in unserem Schulkreis.

Wie sieht der Unterricht gemäss dem "Churermodell" aus?

Die Unterrichtseinheiten sind nach folgendem Muster aufgebaut: Zuerst gestaltet die Lehrperson mit allen Schulkindern eine gemeinsame Einführung ins Thema. Dazu gibt es im Klassenzimmer an einem zentralen Ort einen Kreis aus Stühlen oder Bänken, wo alle Platz haben. Diese Einführung dauert ungefähr 15 Minuten, so lange können sich die meisten Kinder gemeinsam konzentrieren.

Für den zweiten Teil der Unterrichtseinheit bereitet die Lehrperson verschiedene Lernangebote für die Kinder vor, mit denen der Stoff vertieft und gelernt wird. Unter den Lernangeboten hat es möglichst unterschiedliche Aufträge, damit für alle Kinder je nach Niveau, Lerntempo, Lernstil und Interessen etwas dabei ist. Nach der gemeinsamen Einführung entscheiden die Kinder selbständig, welche Lernangebote sie lösen wollen. Die Kinder haben keine feste Sitzordnung, sondern entscheiden je nach Thema und Lernangebot, wo und mit wem sie arbeiten wollen. Im Schulzimmer sind dazu verschiedene Tische arrangiert, damit sowohl Einzel- wie auch Gruppenarbeit möglich ist. Die Lernmaterialien für jedes Fach (Bücher, Hefte, Anschauungs- und Hilfsmaterial) stehen den Kindern an fixen Lernorten im Schulzimmer dauernd zur Verfügung. Die Lehrperson hilft den Kindern dabei, die für sie geeignete Arbeitsform zu finden.

Während der selbständigen Arbeit mit den Lernangeboten werden die Kinder von der Lehrkraft begleitet und unterstützt, je nachdem, wer wo Hilfe braucht. In regelmässigen Gesprächen mit der Lehrkraft lernt jedes Kind, über sein Lernen nachzudenken und dieses weiterzuentwickeln.

Den Schülerinnen und Schüler ist diese Form vertraut, kennen sie sie doch aus ihrer Kindergartenzeit. Die Schule hat erkannt, dass diese Lehr- und Lernform allen Beteiligten zu Gute kommt. Sie ermöglicht sowohl Lernen in der Kooperation mit anderen, als auch die individuelle Vertiefung.

Im Schulstandort Spitalacker/Breitenrain werden die Räume in Anlehnung an das Churermodell neu gestaltet. Im letzten Schuljahr wurde in den 7. Klassen begonnen und nun folgen alle Klassen des Zyklus 3 (7.-9. Klassen) sowie die meisten Klassen des Zyklus 2 (3.-6. Klassen) in diesem oder im nächstes Schuljahr. Im Zyklus 1 (Kindergarten und 1.-2. Klasse) stellt der Standort zudem schrittweise auf die Basisstufe um. Auch in anderen Schulen in unserem Schulkreis arbeiten die Lehrpersonen teilweise in ähnlichen Unterrichtsformen.